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EDITORIAL

Die Bildungsstreiks 2009 haben zumindest eins gebracht: Es besteht Konsens über die Notwendigkeit einer Reform der Bachelor-Master-Struktur des Studiums. Die nunmehr allseits – von der Bundeskanzlerin, über die Hochschulrektorenkonferenz, den Hochschulverband bis zu den Studierenden – konstatierte Misere des deutschen Hochschulsystems ist jedoch nicht nur „Bologna“ geschuldet, sondern Resultat vielfältiger, teilweise gegenläufiger, teilweise sich gegenseitig aufschaukelnder Prozesse. Wir wollen mit dieser Ausgabe von denk-doch-mal die Komplexität dieser Entwicklungen aufzeigen, um nicht in verkürzte Lösungsversuche zu treiben. Denn es wäre fatal, angesichts negativer Tendenzen in Lamentismus zu versinken. Gerade die letzten Entwicklungen haben gezeigt, dass sich Widerstandspotentiale aktivieren, welche trotz alledem einer Umwandlung der Hochschulen in Trainingslager und Technologielieferanten entgegen stehen. Dazu braucht es allerdings auch positive Entwürfe und eine erneuerten Diskussion aber die Idee der Hochschule in der Demokratie.


ELITE VON GENIES ODER DIE WEISHEIT DER VIELEN

Prof. Dr. Ulrich Teichler, viele Jahre Geschäftsführender Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums für Berufs- und Hochschulforschung der Universität Kassel, beschreibt den Strukturwandel des Hochschulsystems.Denkbar ist für den Autor, dass sich auch in Deutschland der in Lerndauer und Qualifikationsniveau anspruchsvollste Bereich der beruflichen Ausbildung zu einem weiteren Bereich „tertiärer Bildung“ entwickelt. Und es gibt ebenfalls hier und da Anzeichen für eine stärkere horizontale Differenzierung: Eine wachsende Herausbildung von besonderen Profilen der einzelnen Hochschulen. mehr ...


BOLOGNA AM ENDE ?

Studieren in Deutschland ist schwierig, teuer, unbliebt, aber notwendig. Es fehlt an einer gesellschafts- und bildungspolitischen Idee, einer Vision, was Hochschule, was Hochschulbildung sein soll. Der Bologna Prozess selbst hat einen nutopischen Kern. Er ist ein großer Versprechen, das es einzulösen gilt, vor allem gegegnüber den Studierenden Das alles sagt Prof. Rolf Dobischat, der auch Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW) ist. mehr ...


NACH DER BOLOGNA REPARATUR

Vor zehn Jahren schien etwas auf, das in der Hochschulpolitik häufig vermisst wird: eine Vision. Ein europäischer Hochschulraum sollte entstehen. Und, eher ungewöhnlich für Visionen: die Sache wurde sofort ins Werk gesetzt, das sagt Peer Pasternack, vom Institut für Hochschulforschung in Halle und ehemaliger Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin in seinem Beitrag. Bologna-Prozess hieß der Vorgang alsbald und wurde in Deutschland sehr ernstgenommen. Als Ergebnis war zehn Jahre später ein neues Ziel auszugeben: Jetzt müssten die Studiengänge auch noch studierbar werden. Mit anderen Worten: Man hatte zunächst weiträumig unstudierbare Studiengänge erzeugt. Das ist, als müsste man über die Trinkbarkeit von Trinkwasser oder die Befahrbarkeit von Straßen diskutieren müssen. mehr...


GUTE BILDUNG - GUTE ARBEIT: ZWEI SEITEN EINER MEDAILLE 

Dr. Andreas Keller, Vorstandsmitglied der GEW in Frankfurt am Main und dort für die Hochschulpolitik verantwortlich, stellt eine Initiative von 23 Bildungsgewerkschaften aus ganz Europa vor. In einen gemeinsamen Aufruf unter dem Motto „Höchste Zeit für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik – High Time for a U-Turn in Education Policy“ erklären sie, die europaweiten Protestaktionen von Studierenden, Schülerinnen und Schülern zu unterstützen. Aus einem einfachen Grund: Unter dem Mainstream der gegenwärtigen Bildungs- und Wissenschaftspolitik leiden Lehrende und Lernende gleichermaßen – gute Bildung und gute Arbeit sind zwei Seiten einer Medaille. Pädagoginnen und Pädagogen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen deshalb mit den Studierenden, Schülerinnen und Schülern an einem Strang ziehen. mehr ...


DIE LINGUA FRANCA WAR LATEIN - VON WANDERNDEN PROFESSOREN UND STUDENTEN

Prof. Barbara M. Kehm ist Universitätsprofessorin für Hochschulforschung an der Universität Kassel (Internationales Zentrum für Hochschulforschung Kassel, INCHER-Kassel) und seit 2004 ist sie Geschäftsführende Direktorin des INCHER-Kassel. Sie referiert berichtet von der Internationalisierung der Hoschulen. Seit dem Mittelalter hätten europäische Hochschulen sich immer als internationale bzw. international orientierte Institutionen verstanden. Wissensaustausch fand statt über von Bologna, nach Paris, nach Wittenberg wandernde Lehrende und Studierende, die lingua franca der Verständigung war Latein. mehr ...


WEITERBILDUNG AN HOCHSCHULEN - EIN FELD MITTLERER SYSTEMATISIERUNG

Prof. Peter Faulstich, Wissenschaftler aus Hamburg, beschäftigt sich mit dem neuen Feld der Weiterbildung an Hochschulen. Für ihn zeichnet sich eineTendenz ab, bei der eine Individualisierung sowohl der institutionellen Profile als auch der Lernwege erfolgt. Dies sei bezogen auf das Verhältnis von Bildungs- und Beschäftigungssystemen durchaus riskant, weil die durch vereinheitlichende Zertifikate gegebene Verlässlichkeit der unterstellten Kompetenzen fraglich werde. Eine entstehende Diffusität auf den Arbeitsmärkten ist aber langfristig weder im Interesse der Absolventen noch der Rekrutierer. mehr...


STUDIEREN FÜR DIE BESCHÄFTIGUNGSFÄHIGKEIT?

Prof. Andrä Wolter hat erhebliche Zweifel, ob Beschäftigungsfähigkeit eine angemessene Kategorie ist, um die Ausbildungsziele eines Studiums zu beschreiben. In seinen Beitrag geht er den Aspekten Studieren, Arbeitsmarkt und Beruf nach. "Die Fokussierung auf ein verengtes Verständnis von Beschäftigunghsfähigkeit, das oft mit einem hohen Spezialisierungsgrad der Studiengänge einhergeht, sollte einer Orientierung an dem Konzept der wissenschaftsbasierten professionellen Handlungsfähigkeit weichen, Das Studium sollte berufsrelevant sein, aber auch eine wissenschaftliche, kritisch-reflexive Haltung und intellektuelle Neugierde vermitteln". mehr...


DAS NEUE LEITBILD

Gerd Köhler berichtet von der Leitbild-Debatte zur Hochschule, die die Hans-Böckler-Stiftung begonnen hat. Was soll damit erreicht werden? „Das Leitbild hat die Funktion, Ziele für soziales und politisches Handeln zu formulieren. In diesem Sinn will dieses Leitbild nicht nur Vorstellungen für eine Hochschule in gesellschaftlicher Verantwortung entwerfen, sondern auch Forderungen und Diskussionsangebote an die AkteurInnen auf den verschiedenen Handlungsebenen in Politik und Gesellschaft, in Staat und Hochschulen richten." mehr ...

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